Nach der erfolgreichen Aufführung der Weihnachtskantate von Josef Gabriel Rheinberger im
vergangenen Jahr (2003) wagen sich die beiden Chorleiter Josef Hauber und Rainer Duttler mit dem
Basilikachor St. Ulrich und Afra aus Augsburg und dem Chor der Wallfahrtskirche Biberbach
wieder an ein komplexes Werk von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die fast 100-köpfige Chorgemeinschaft
ist nach fast einem Jahr Probenarbeit bestens vorbereitet und hoch motiviert, so dass
höchster Kunstgenuss garantiert ist.
Das Festkonzert im Afra-Jubiläumsjahr wird am 14. November 2004 um 16:00 Uhr
in der Basilika St. Ulrich und Afra aufgeführt.
Karten gibt es im Vorverkauf (ab September im Pfarrbüro) und am Aufführungstag an der Konzert-Kasse.
Sinfonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift op. 52
von Felix Mendelssohn Bartholdy
Felix Mendelssohn Bartholdys Lobgesang, in Leipzig uraufgeführt am 25.Juni 1840 aus Anlass
der 400-Jahr-Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg,
ist ein in vielerlei Hinsicht einzigartiges Werk.
Zwar hat Mendelssohn selbst das Werk als 2.Sinfonie in B-Dur drucken lassen, ging
jedoch später auf Anregung des Londoner Legationsrates Klingemann zu der
treffenderen Bezeichnung »Sinfonie-Kantate« über.
In der äußeren Form lehnt sich das Werk lose an Beethovens Neunte Sinfonie an.
Wie dessen Werk besteht auch der Lobgesang aus zwei großen Teilen: Einem Instrumentalteil,
der aus drei charakteristischen Sinfoniesätzen und einer Einleitung besteht, und einem
Vokalteil, den man getrost als »kleineres Oratorium« oder Kantate bezeichnen
kann. Das Werk vereinigt damit nicht nur traditionell gegensätzliche Gattungen,
sondern auch das Instrumentale und das Vokale, das Weltliche und das Geistliche.
Die Textzusammenstellung des Werkes geht vermutlich auf Mendelssohn selbst zurück.
Neben Psalmtexten stehen weitere Bibelzitate aus beiden Testamenten, die er zum
Teil für seine Zwecke modifiziert hat. Die Wahl von Bibelworten erscheint durchaus
angemessen zum Gutenbergfest, da das erste gedruckte Buch die Gutenberg-Bibel war.
Der Eröffnungssatz hat feierlichen Charakter, seine Einleitung wird von punktierten Rhythmen
in Manier Händels beherrscht.
Ausgelassener Frohsinn begegnet im Scherzo mit seinem volksliedhaften Thema. Den
instrumentalen Teil, etwa ein Drittel des Ganzen, beschließt ein Variationssatz
mit Liedhafter Melodik (Adagio religioso). Wuchtig hebt der Eingangschor des als
Kantate gestalteten Finales an, dem bald zwei Soprane und Ternor gegenübergestellt
werden mit deutlicher Akzentuierung des Kernsatzes "die Nacht ist vergangen, der
Tag aber ist herbeigekommen". Jubelnd schließt die Sinfonie mit einer groß
angelegten Chorfuge.
Als musikalischer Höhepunkt des Afra-Jubiläumsjahres wird das Werk am 14. November 2004
in der Basilika St. Ulrich und Afra aufgeführt. Die Ausführenden sind:
Elisabeth Haumann, Gabriele Schmid (beide Sopran), Robert Wörle (Tenor),
der Basilikachor St. Ulrich und Afra und der Chor der Wallfahrskirche Biberbach
sowie der Singkreis Gempfing. In Zusammenarbeit mit Prof. Christian Pyhrr konnte
das Orchester der Musikhochschule Augsburg-Nürnberg verpflichtet werden.
Das Konzert beginnt um 16:00 Uhr. Die Gesamtleitung hat Chordirektor Josef Hauber.
J. Schlosser